1911: "Die gute alte Zeit"

Die Gründung unseres Gesangvereins entsprang ohne Zweifel einem inneren Bedürfnis einiger aufgeschlossener, patriotischer und von Gesang und Musik begeisterter Bürger von Reuth. Der Gesang, ein Freudenspender in der damals schlechten Zeit, hat die Gemeinschaft gefördert und die Bürger zusammengeschweißt. Man spricht von einer Zeit, die im Volksmund „Die gute alte Zeit“ genannt wird. Davon kann zu dieser Zeit keine Rede sein. Die vornehmlich bäuerliche Bevölkerung und die wenigen Handwerker hatten ihre Sorgen und Nöte. Viele Arbeiter aus der Spinnerei und Weberei halfen nach Schichtschluss den Bauern bei der Ernte.


Das Jahr 1911 war nicht gerade ein Jahr, um einen Gesangverein zu gründen. 1911 geht in die Geschichte Deutschlands als Blutjahr ein. Von Mai bis November hat es keinen Tropfen geregnet. Bei 40 Grad verdorrte alles. Die Gerste wurde mit der Hand gerupft, da sie für das Mähen zu kurz war. Heu- und Kartoffelernte fielen fast ganz aus. Die Brunnen im Ort hatten nur tropfenweise Wasser und die Trauben der Winzer erfroren allesamt im Oktober. In dieser schlechten Zeit spielten alte Sitten und Gebräuche im Dorfleben eine große Rolle. Dort, wo man gemeinsam arbeitete, wurde auch gemeinsam gefeiert und gesungen.

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Die beiden Weltkriege und die Zeit dazwischen

Der erste Weltkrieg 1914 - 1918 unterbrach das Vereinsleben auf eine schreckliche Weise. Der letzte Eintrag im Kassenbuch stammt vom 25. April 1914. Da Kassier Johann Hahn für gefallen war, übernahm 1. Vorstand Johann Georg Amon kommissarisch die Kasse. Nachdem am 11. November 1918 die Feindseligkeiten an allen Fronten eingestellt waren, konnte im März 1919 der Vereinsbetrieb wieder aufgenommen werden. Vorstand Johann Georg Amon übergab die Kasse an den neuen Kassier Johann Seitz.

Auch in der musikalischen Leitung vollzog sich ein Wechsel. Neuer Chorleiter wurde Hauptlehrer Hans Neubig, der den Gründungschorleiter Andreas Erlwein ablöste. Ende 1920 legte Gründungsvorstand Johann Georg Amon sein Amt nieder.

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Neubeginn 1948

Nach dem zweiten Weltkrieg war zunächst jegliche Vereinsarbeit verboten. Die Wiederaufnahme der Chortätigkeit begann erst im Jahr 1948. Man fing wieder bei Null an. Ein bedeutender Tag war Mittwoch, 29. Dezember 1948. Der Gesangverein Eintracht lud alle Sänger zur ersten Singstunde ins Vereinslokal ein. Schriftführer Hans Schmitt schrieb: „Es sollte der Gesangverein wieder aufblühen, um das deutsche Lied an die Öffentlichkeit zu bringen“.

Es wurde ein grandioser Neubeginn. Der Einladung folgten – für alle überraschend – fast alle früheren Sänger, die dem Krieg entronnen waren. An diesem Abend konnten noch weitere 24 neue Sänger aufgenommen werden. Das Vereinsleben nahm wieder Fahrt auf. Der neue Chorleiter, Rektor Michael Hermann, konnte gleich mit 35 Sängern starten. Der Mitgliederstand stieg von 47 im Jahr 1949 auf 96 Mitglieder Ende 1951.

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Aufschwung in den 50er Jahren

Chorleiter Michael Hermann wurde im September 1951 von Ernst Hofmann aus Hallerndorf abgelöst. Er hat die vorgefundene Chorgemeinschaft weiter geformt und musikalisch geführt.
In den 50er Jahren verbuchte man schöne Erfolge bei öffentlichen Auftritten sowie Teilnahmen an verschiedenen Konzerten. Die Vereinsaktivitäten belebten sich weiter sehr schnell. So ist von einem Faschingsball im Februar 1953 zu berichten, bei dem es so lustig zuging, dass die Polizei die letzten Gäste erst gegen halb fünf Uhr früh nach Hause treiben musste.

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Die 60er Jahre - ein turbulentes Jahrzehnt

Auch in den 60er Jahren war man sich seiner Pflichten im Ort bewusst und stand bei unzähligen Veranstaltungen immer wieder bereitwillig zur Verfügung. So zum Beispiel bei der Schulhauseinweihung, beim Besuch des Erzbischofs Dr. Josef Schneider, bei der Sportheimeinweihung, der Ehrung des Bürgermeisters Otto Ammon zum stellvertretenden Landrat und später bei seiner Wahl zum Landrat.

In der Sängergruppe übernahmen zwei Reuther immer mehr Verantwortung. So wurde im November 1960 1. Vorstand Hans Schmitt als Nachfolger von Alfred Rödel zum Gruppenvorstand und Alfons Ammon zum Gruppenchorleiter gewählt.

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Sternstunden in den 70er Jahren

In den 70er Jahren gehörten Faschingsbälle, Wein- und Schlachtfeste, sowie das Auerbergfest zum festen Bestandteil im gesellschaftlichen Leben des Vereins.
Erster Vorstand Leonhard Mayer legte nach neun Jahren am 6. Januar 1972 sein Amt nieder. Noch am selben Abend wurde er für seine großen Verdienste um den Verein zum Ehrenvorstand ernannt. Sein Nachfolger wurde wieder Hans Schmitt, der bereits vor Leonhard Mayer dieses Amt 13 Jahre begleitete.

Wegen spärlich besuchter Singstunden von durchschnittlich 22 Sängern Anfang 1972 wurde wieder die Gründung eines gemischten Chores in Erwägung gezogen. Doch 1. Vorstand Hans Schmitt und Chorleiter Alfons Ammon hatten es mit nie erlahmender Kraft noch einmal geschafft, eine stimmlich qualifizierte Truppe zusammenzustellen. Die Kurve zeigte wieder nach oben. 1973 umrahmte der Chor zum ersten Mal die Alt- und Jungmeisterehrung in der Kreishandwerker-schaft, nun seit mittlerweile 38 Jahren. Das gesangliche Niveau steigerte sich zusehends.

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Die 80er Jahre - Auszug aus dem Vereinslokal

Bei der Weihnachtsfeier 1980 wurden für 25-jährige Vorstands- bzw. Chorleitertätigkeit 1. Vorstand Hans Schmitt und Chorleiter Alfons Ammon ausgezeichnet. Die zahlreichen Ehrengäste würdigten die beiden als Idealisten des Reuther Gesangvereins.
Um auch optisch einen guten Eindruck zu machen, schaffte man sich zum ersten Mal einheitliche Sakkos an. Diese grauen Jacken, dazu weißes Hemd mit schwarzer Fliege, präsentierte der Chor erstmals am 11. April 1981 bei einem Frühlingskonzert in Egloffstein. Im Dezember 1981 gestaltete der Chor ein geistliches Konzert in der Pfarrkirche Reuth. An der Orgel saß im Alter von 15 Jahren der Jungsänger Roland Wölfel, unser heutiger stellvertretender Chorleiter. Schon damals erkannte man die musikalischen Fähigkeiten von Roland.

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Die 90er Jahre - Aufstieg zum Leistungschor

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am 23. Januar 1990 die Nachricht vom Tod unseres Ehrenvorstandes Hans Schmitt. Unser Chor und der Kirchenchor gestalteten die Trauerfeierlichkeiten in der Kirche und am Friedhof. 1. Vorstand Albert Leppert würdigte das aufopferungsvolle Wirken von Hans Schmitt für den Reuther Gesangverein und seinen unermüdlichen Einsatz für die Sängersache im Allgemeinen.

Mit Besiegelung der Städtepartnerschaft Forchheim – Rovereto begann auch die Freundschaft zum Coro Bianche Zime aus der Stadt am Gardasee. Beim ersten Besuch in Italien im Mai 1990 glänzte unser Chor beim gemeinsamen Konzert in Riva del Garda, sowie beim Festgottesdienst in der Kirche San Marco. Noch viele gegenseitige Besuche sollten folgen.

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Die letzten 10 Jahre

Das neue Jahrtausend begann beim Männerchor Eintracht Reuth mit einem Chorleiterwechsel. Nach 13 Jahren legte Gerhard Kauffer den Dirigentenstab in Reuth nieder. Sein letzter Auftritt war die Primizfeier von Pater Stefan Stöhr im Juli 2000. Er formte den Reuther Männerchor zum Leistungschor. Mit Gerhard Kauffer machte der Chor einen großen Schritt nach vorne. Bei seiner Verabschiedung am 04. November 2000 übergab er die Stimmgabel symbolisch an Kreischorleiter Udo Reinhart.

Dessen Zielsetzung war, einen leichteren und jüngeren Schwung, gepaart mit neuer Chorliteratur und hoher Klangqualität in den Chor zu bringen. Seine Handschrift war bereits bei seinen ersten Auftritten am Hauptmarkt in Nürnberg und bei einem geistlichen Konzert in Kirchehrenbach zu erkennen.

Das Jahr 2001 stand ganz im Zeichen der 90-Jahrfeier. Das Festkonzert im April in der Reuther Turnhalle bleibt ebenso unvergessen wie das offene Singen mit vier Gastchören am Auerberg im Juli. Der Höhepunkt des Jubiläumsjahres war zweifelsohne das Jubiläumskonzert mit dem Coro Bianche Zime aus Rovereto und dem Forchheimer Kammerorchester am 10. November in der St. Johanniskirche in Forchheim, ein großartiges Konzert mit der Aufführung der 19-seitigen Messe von Charles Gounod in Begleitung des Kammerorchesters. Die Presse schrieb am Ende des Jahres: „Großes in kurzer Zeit geleistet

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